Talking Water - die Entstehung
Als Kerstin Blodig, Urs Fuchs und Ian Melrose begannen, sich für die Arbeit an dieser Musik vorzubereiten, hatte der Filmemacher Wolf Backhaus eine ungewöhnliche Idee. Nachdem er die drei Musiker gebeten hatte, die Filmmusik für seine Dokumentation der großen deutschen Wallfahrt Köln - Walldürn zu schreiben (»Näher zu Gott«), suchte er nach einer Möglichkeit, die passende Atmosphäre für die Aufnahmen zu schaffen. Es sollte nicht in der sterilen Enge eines High-Tech-Studios gearbeitet werden, sondern in Verbindung mit der Natur, von den Elementen inspiriert.

Also packten Kerstin, Urs und Ian ihre Instrumente und Geräte zusammen und fuhren zu einer kleinen Holzhütte im Wald nahe Wolf Backhaus‘ Zuhause. Die Hütte stand am Rande einer natürlich geformten Senke: ein kleines Amphitheater, ideal für kleinere Freiluftkonzerte oder ein Sommernachtsfest mit loderndem Feuer.

"Freunde von Wolf liehen uns ihren kleinen Wohnwagen," erzählt Ian Melrose, "den wir zu unserer »Schaltzentrale« umfunktionierten: Wir installierten dort unsere Aufnahmegeräte und legten Mikrofonkabel in die Hütte. Es war August, aber nicht besonders warm, und die Familie Backhaus erschien in regelmäßigen Abständen mit Tee und Kaffee, belegten Broten, Suppe und Keksen, um uns bei Laune zu halten. Es war wirklich ein idyllisches Umfeld, und wir genossen es, zwischen den Aufnahmen draußen im duftenden Gras und Laub zu sitzen und dem Wind in den Bäumen zu lauschen. Es gab aber auch einige Probleme: Zum Beispiel tuckerte der Dieselgenerator so laut, dass wir ihn mit einem langen Kabel außer Hörweite am Waldrand aufstellen mussten. Und als wir mitten in einer gelungenen Improvisation waren, mussten wir die Aufnahme plötzlich abbrechen, weil dicke Regentropfen laut auf das Hüttendach trommelten. Anschließend wurde es so feucht, dass wir um unsere Elektronik bangten. Schließlich gingen die Kontroll-Lämpchen tatsächlich aus und die digitalen Bandmaschinen waren für einige Zeit nicht benutzbar. So waren wir gezwungen, manche Stücke sehr konzentriert einzuspielen, bevor das ganze Aufnahmesystem zusammenbrach!

Talking Water

Trotz solcher Widrigkeiten war es eine sehr schöne, intensive Zeit. Wir saßen oft auf der Veranda vor der Hütte, ließen den Blick im Zwielicht der Dämmerung über die Landschaft schweifen und redeten über die Musik und unsere Ideen bis spät in die Nacht. Eine besondere Art der Kommunikation wuchs zwischen uns. Wir waren alle begeistert, und es gefiel uns, wie sich diese neue Konstellation entwickelte und wie die Musik in ihr wuchs.

So produzierten wir in diesen Tagen nicht nur eine Filmmusik sondern wir gründeten die Band TALKING WATER und legten den Grundstein zu dieser CD. Vielen Dank an Wolf Backhaus, der uns den Anstoß zu diesem ersten Schritt gegeben hat."
Monate später gingen Kerstin, Urs und Ian dann doch noch in ein Studio – oder sollte man besser sagen: in den Biber Bau? Inzwischen war nämlich Produzent Friedemann Witecka auf der Bildfläche erschienen und regte an, einige der frühen Aufnahmen zu überarbeiten sowie mehrere neue Titel zu produzieren. Und auch in dieser Zusammenarbeit entwickelte sich ein ungewöhnlich »natürliches« Verständnis. "Dieses ganze Projekt war vom ersten Ton unserer Instrumente bis zur letzten Reglerbewegung am Mischpult ein stetes und kreatives Fließen," resümiert Ian Melrose.

"Alles fließt" (Heraclitus, 540 – 480 v. Chr.)

 

 

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